Zusammenfassung Lawrence Lessig

ZUR PERSON–Lawrence Lessig (USA) ist Jura-Professor an der Stanford Law School und Gründer des Center for Internet and Society und der Creative-Commons-Initiative. Er versucht die Lücke zwischen den veralteten Copyright-Rechten und der neuen Technologie zu schließen. Im Sommer wird Lessig eine Professur an der Harvard University annehmen. Lessig schreibt auf www.lessig.org/blog

Don´t criminalize the 21st century culture!

– Neue Politik- und Wertschöpfungsmodelle erfordern die aktive Einbindung von Konsumenten.
– Das Urheberrecht muß dringend an die digital-vernetzte Welt angepasst werden und die Weiterverwendung vereinfachen und ermöglichen.
– Wir dürfen nicht eine ganze Generation von Jugendlichen für ihren Umgang mit Kultur (Remix) kriminalisieren.

Der US-amerikanische Stanford-Law-School Professor Lawrence Lessig rückt den effizienten Umgang mit der Kreativität von Konsumenten in den Fokus der zukünftigen Wertschöpfung. Lessig macht im Urheberrecht den Feind aller Kreativität aus. Er kritisiert restriktive Copyrights im Bereich immaterieller Güter und rückt den effizienten Umgang mit der Kreativität von Konsumenten in den Fokus der zukünftigen Wertschöpfung.

Auf dem 14. Trendtag führte Lawrence Lessig in seiner Keynote eindrucksvoll das Comeback einer Read-Write-Kultur aus. Mit Read-Write bezeichnet der Jura-Professor aus Stanford eine Kultur, in der Menschen sowohl Inhalte konsumieren als auch produzieren. Diese Read-Write-Kultur hat die Geschichte der Menschheit geprägt. Das 20. Jahrhundert mit seiner Industrialisierung hat jedoch eine Read-Only-Kultur etabliert, in der die Menschen Inhalte nur konsumieren konnten und durften.

Neue digitale und vernetzte Technologien haben eine neue Read-Write-Kultur ermöglicht. Es sei heute unglaublich einfach selbst aktiv und kreativ zu sein. Anhand diverser Beispiele demonstrierte Lessig eindrucksvoll die kreative Kraft von Nutzer generierten Inhalte wie z.B. Remixe. Interessant sei dabei, dass Remixe aufeinander antworten, sich zitieren und weiterentwickelt werden. Laut Lessig werden Remixe zu Gesprächen. Viele Beispiele werden erst durch diese gegenseitigen Zitate bekannt. Dies gilt auch für die Politik. Am Beispiel des Wahlkampfes von Barack Obama führte Lessig aus, wie dieser es geschafft hat, Millionen Menschen zu aktivieren und zu beteiligen und wie er diese Partizipationsmodelle nun in Washington etabliert.

Wie in seinem Buch Remix präsentiert Lessig die drei zentralen Austausch-Praktiken:
-Commercial Economies: Hierbei handelt es sich um die klassische Wirtschaft. Geld ist das zentrale Medium.
-Sharing Economies: Hierunter versteht Lessig eine Vielzahl von Austauschbeziehungen, die nicht auf Geld basieren und nicht basieren können wie er am Beispiel der Liebe ausführt.
-Hybrid Economies: Diese Praktiken stellen eine Mischform dar. Es handelt sich um Commercial Economies, die auch eine Sharing Economy unterhalten oder umgekehrt. Diesen Hybrid Economies bescheinigt Lessig einen riesigen Aufstieg in den nächsten Jahren.

Zum Abschluss seines Vortrags weist Lessig auf die großen rechtlichen Probleme hin, die mit dem Comeback der Read-Write-Kultur verbunden sind. Die gesamte Gesetzgebung ist auf die reine Nutzung bzw. das Konsumieren von Inhalten ausgelegt. Es kriminalisiert die Protagonisten der Read-Write-Kultur: Die Jugend. Er plädiert für eine Anpassung der bisherigen Copyright-Gesetze. Denn die bisherigen Gesetze seien nicht für eine digital vernetzte Welt und für die Weiterverwendung ausgelegt. Statt auf Produkte zu setzen, sollte der tatsächliche Nutzen in den Vordergrund gestellt und erleichtert werden. Denn allen Bekämpfungen zum Trotz: Die bisherigen Formen der Remix-Kultur und ihre Weiterentwicklungen würden nicht verschwinden.