Archiv: Oktober 2009
Cholesterinsenker für Gesunde? –
Ein Blockbuster baut aus
Wer zu hohe Blutfettwerte, insbesondere zu viel schlechtes LDL-Cholesterin hat, hat ein großes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. So weit, so bekannt. Allerdings gehören rund die Hälfte der Infarktpatienten gar nicht zu diesen Risikopersonen – ihre Cholesterinwerte sind völlig normal. Es muss also noch andere Parameter geben, die Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. Diese zu benennen und medikativ zu behandeln, ist eine der großen Forschungsaufgaben in der Pharmabranche.
Web Monitoring Conference 2009: Weg von der Demografie, hin zu den Vorlieben
Am 17. September 2009 trafen sich auf Einladung der Fachhochschule Köln Marktforscher, Social-Media-Analysten und Vertreter aus der Unternehmenskommunikation, um Erfahrungen zum Thema Webmonitoring auszutauschen. Spannend an dieser Initiative: Ausschließlich Anwender aus der Unternehmenspraxis sollten zu Wort kommen, um darzulegen, wie sie die Analyse von User-generated Content für ihr Unternehmen konkret nutzen. Acht Referenten, u. a. von EA Sports, BMW und Tchibo, berichteten über ihre Erfahrungen und Perspektiven bezüglich des Themas.
Scoopcamp: Auf der Suche nach dem Scoop im Web 2.0
Am 17. und 18. September 2009 veranstaltete die dpa (Deutsche Presse-Agentur) zusammen mit Hamburg@Work, der Hamburger Initiative für Medien, IT und Telekommunikation, das erste Scoopcamp. „Scoop“ ist ein Begriff aus dem Journalismus für eine exklusive Meldung, die ein Medium vor allen anderen veröffentlicht.
Auf dem Scoopcamp diskutierten Journalisten, PRler und Web-2.0-Schaffende die Rolle der klassischen Medien auf der Jagd nach Scoops und Leserschaft im 21. Jahrhundert. Keynotespeaker Adrian Holovaty stellte mit seinem Projekt Everyblock.com die Möglichkeiten und Anforderungen an einen neuen „Programming Journalist“ vor. Adrian Holovaty arbeitet als Programmierer und Journalist und entwickelte Webseiten wie lawrence.com, ljworld.com und washingtonpost.com. Statt nur von Menschen interpretierbaren Datenwust („Blob“) in Form von Fließtexten zu erstellen, tritt Holovaty für einen Journalismus mit einer strukturierten Aufbereitung von Informationen ein, der auch von Computerprogrammen automatisiert erfasst werden kann (ähnlich dem Hyperlinksystem, das man beispielsweise von Wikipedia-Artikeln kennt). Neben Holovaty sprach unter anderem Wolfgang Blau („Zeit Online“) über das Ziel des Online-Auftritts der „Zeit“, zu DER Plattform für politischen Diskurs in Deutschland zu werden. Mit der technischen Integration von Community-Modulen strebt die „Zeit“ an, Bürgerreporter zu motivieren und Lesermeinungen sinnvoll und praktikabel zu integrieren. In den Nachmittagsworkshops war Twitter eines der am heißesten diskutierten Phänomene.
Das Scoopcamp 2009 diskutierte die Themen, Ängste und Probleme der Medien in ihrer wandelnden Funktion, weg von der Rolle als Informations- und Meinungsmonopolisten, hin zum Qualitätsgaranten und Orientierungsgeber in den Weiten der Informationsgesellschaft. Die Vertreter des klassischen Journalismus zeigten sich noch äußerst skeptisch, ihre Rolle als Meinungsmacher und Gatekeeper an die Akteure des WWW aus der Hand zu geben bzw. sie mit ihnen zu teilen. Und auch wenn die Vorbehalte noch groß sind: Die Branche ist im Umbruch und der Gründergeist eines neuen Journalismus schon zu spüren – es bleibt also spannend, ob und wie die Riesendampfer der Medienindustrie erfolgreich durch den Informationsstrom navigieren!
fvw Kongress und Travelexpo 2009: Die Krise als Beschleuniger des Strukturwandels im Tourismus
Auf dem diesjährigen fvw Kongress und der Travelexpo in Köln gab es vor allem ein Thema: die Krise. Wenn auch nicht offen, so merkte man doch an den zaghaften Prognosen für 2010, dass die Touristiker bang auf das nächste Jahr blicken. Auch der Veranstalter des fvw Kongresses, die fvw Mediengruppe, spürt die Krise, wenn auch als mittelständisches Unternehmen nicht so stark wie die großen Verlage, die Einbußen von bis zu 50 Prozent in Kauf nehmen müssen.
Hier eine kurze Übersicht darüber, welche Strategien Unternehmen für die Krise bereithalten:
Um 5,3%
sind im letzten Jahr in Deutschland die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen für Arzneimittel angestiegen. Insgesamt haben sich die Ausgaben auf 29,2 Milliarden Euro erhöht. Damit werden rund fünf Milliarden Euro mehr von den GKVen für Arzneimittel als für die ärztliche Behandlung ausgegeben – darauf weisen die Verfasser des “Arzneimittel-Report 2009” hin.
Verantwortlich für diese Ausgabensteigerung sind besonders kostenintensive Arzneimittelgruppen wie Angiotensinhemmer (also Blutdrucksenker), Antidiabetika sowie Hormon- und Tumortherapeutika. Das Einsparpotenzial durch konsequenten Umstieg auf preiswertere Generika wird auf 3,4 Millarden Euro beziffert. Die Liste der größten Kostentreiber deutet indes an, dass durch das Altersbeben und dem damit verbundenen Anstieg von Krankheiten eine weitere Kostenexplosion nicht unwahrscheinlich erscheint.
Quelle: Arzneimittel-Report 2009
Silver Sex Kino-Lounge – High Tech trifft High Touch
Das Altersbeben hat die Konsumkultur erreicht: Weil es mehr und mehr die über 50-Jährigen sind, die mit ihren Wünschen und Einkaufsbedürfnissen die Märkte prägen, ziehen die Verantwortlichen jetzt mit und realisieren eigene Produkt- und Dienstleistungsideen für die Generation Silver Sex. Ein schönes Beispiel für diese Entwicklung ist die Kinobranche. In einem Wirtschaftszweig, in dem man traditionell mit den Vorlieben der Jüngeren vertraut war, hat jetzt ein Umdenken eingesetzt. Das Filmangebot aber auch die Rahmenbedingungen wie die Lautstärke oder das Snack-Angebot wurden in einigen Häusern schon so verändert, dass sich auch diejenigen Filmliebhaber wohlfühlen, die ihre Schulzeit schon länger hinter sich haben.
Noch konsequenter zu Ende gedacht allerdings wude diese Idee jetzt von den Verantwortlichen eines Berliner Ku’damm-Kinos. Hier wurde unter dem Namen „Astor Film Lounge“ in diesem Jahr ein innovatives Luxuskino eröffnet – in dem sich jedermann wohlfühlen kann, ganz bestimmt aber die Mitglieder der Generation Silver Sex. Denn was der Eigentümer und Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe und Theaterleiter Jürgen Friedrich hier anbieten, ist nichts weniger als ein dienstleistungsorientiertes High Tech-Wohlfühlkino: Große Designersessel mit viel Beinfreiheit und Platz zum Nachbarn, eigene Armlehnen und bequeme Leder-Fußhocker, Champagner und Chablis zu edlem Fingerfood, eine Kuschelbox für Paare, eine Garderobe und ein Parkservice für das Auto sowie modernste Vorführtechnik, die auch das Abspielen der neuen 3D-Filme ermöglichkeit. Das alles zum Preis von 15 Euro pro Karte, verkauft von freundlich lächelndem Personal.
Das gefällt den Älteren, erfreut aber auch die Teenager; und so orientiert man sich filmmäßig bislang am üblichen kommerziellen Angebot. Doch auch Hollywood bleibt vom Altersbeben ja nicht verschont – dem exklusiven Silver Sex-Kino-Genuss steht künftig also nichts mehr im Weg, wenn auch die Darsteller in die Jahre kommen.
www.trendbuero.de/index.php?f_categoryId=155&f_articleId=2741
82,4 Jahre
werden bei uns heute neugeborene Mädchen durchschnittlich alt werden. Bei Jungen liegt die Lebenserwartung inzwischen bei 77,2 Jahren, so die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes abgeleitet von den Sterbetafeln der Jahre 2006 bis 2008. Damit setzen sich zwei große Trendentwicklungen weiter fort: Zum einen die Ausweitung der Lebenserwartung für beide Geschlechter; und zum anderen das Einholen des Vorsprungs der Frauen. Im Durchschnitt nur noch 5,2 Jahre länger leben deutsche Frauen im Vergleich zu gleichaltrigen Männern. Noch vor zwölf Jahren betrug diese Differenz 6,5 Jahre, gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass sie auf immerhin 5,4 Jahre beziffert wurde. Noch im Jahr 2007 nämlich blickten neugeborene weibliche Babies auf eine Lebenserwartung von 81,5 Jahren, neugeborene Jungs konnten darauf hoffen, im Schnitt 75,9 Jahre alt zu werden.
Quelle: Destatis 2009
www.trendbuero.de/index.php?f_categoryId=155&f_articleId=1583
Die Subjektivität der Schönheit –
die Toleranz der weniger Attraktiven
Gleich und gleich gesellt sich gern – spricht der Volksmund und schließt neben ähnlichen Interessen oder Marotten auch ein ähnlich attraktives oder unattraktives Äußeres mit ein. Und tatsächlich: Auch die Sozialforschung bestätigt seit längerem, dass Paare häufig einen ähnlichen Attraktivitätsindex aufweisen. „Hochzeitsmarktthese“ lautet bisher die Erklärung für dieses Phänomen: Die Hübschen suchen sich zuerst die ebenso Schönen aus, die übrig Gebliebenen finden dann automatisch zueinander.
Doch das ist weit gefehlt, bestätigen jetzt unabhängig voneinander zwei Forscherteams. Vielmehr konnten die Wissenschaftler um Matthew Montoya von der University of North Carolina ebenso wie das Team um Caryl Rusbult aus den Niederlanden nachweisen, dass auch die objektiv weniger attraktiven Versuchspersonen ihren eigenen Partner – sowie eine ganze Reihe weiterer Probanden – für wirklich gutaussehend halten. Die hübschen hingegen waren in ihrem Urteil wesentlich strenger, sie blieben mit ihren Bewertungen viel extremer beim gängigen Schönheitsideal.
Das könnte dann auch erklären, warum sich so mancher Selbstdarsteller wieder und wieder bei den beliebten TV-Castingshows bewirbt: Vermutlich halten diese Menschen nicht nur ihr Aussehen sondern auch ihre eigene Stimme und ihr Auftreten für wirklich klasse.
40,2 Mio.
Menschen zwischen 14 und 69 Jahren gehören inzwischen zu den Internetnutzern – das weist die neueste Allensbacher Computer- und Technik-Analyse aus. In Prozentzahlen ausgedrückt sind 73 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 14 und 69 Jahren online. Erstmals erfasst bei der diesjährigen ACTA: die 64- bis 69-Jährigen. Während die Grundgesamtheit in den letzten zehn Jahren seit Gründung dieser Umfrage bei 64 Jahren endete, haben die Verantwortlichen nun den veränderten Gegebenheiten Rechnung getragen und erstmals alle Menschen ab 14 und unter 70 Jahren zu ihren Gewohnheiten im Umgang mit Computern und Internet befragt. Werbetreibende können allerdings trotzdem noch nach bewährter Demografie zählen lassen: Lässt man den Alterssplit bereits bei 64 Jahren enden, so erhöht sich der Anteil der deutschen Internetsurfer von 73 auf 78 Prozent. Ein Vorsprung, der mit den Jahren aber immer kleiner werden wird.
Quelle: ACTA 2009
Priorisierung im Gesundheitswesen –
Kann Medizin gerecht sein?
Ein Stichwort taucht in der Diskussion um die leeren Kassen und die Zukunft unserers Gesundheitssystems immer häufiger auf – und wird auch sicher unseren neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler beschäftigen: das der Priorisierung. Es fasst die Idee zusammen, dass gesundheitliche Leistungen künftig nach einer Prioritätenliste angeboten werden könnten. Doch welche Behandlungen sollten das sein? Was passiert mit angeblich selbstverschuldeten Leiden? Und darf man Leistungen wegpriorisieren?

