Di., 8. Mai 2007: 12. Trendtag
Karma Kapitalismus – Werte statt Preise

Keynote-Speaker: Prof. Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger 2006

Karma-Kapitalismus markiert das Ende des Raubtier-Kapitalismus und etabliert eine neue Wirtschaftsethik. Kooperation ersetzt Konkurrenz. Das betrifft das Produkt, den Kunden und das Unternehmen. Erfolgreiche Produkte sind nicht nur von hervorragender Qualität, sondern vermitteln auch einen spirituellen Mehrwert. Der Kunde von morgen will nicht nur verführt, sondern auch erlöst werden. Sinnstiftung wird zum wichtigsten Wettbewerbsvorteil. „Ethikmarken“ leben bewusst soziale und ökologische Verantwortung. Ihr Geschäftsmodell: mit gutem Gewissen genießen. Profitorientierung und moralisches Handeln gehören heute zusammen. In der global vernetzten Welt fällt alles wieder auf den Urheber zurück. Ein gutes Karma steigert das eigene Kapital. Was sind die Spielregeln des Karma-Kapitalismus? Was erwarten Konsumenten morgen von Unternehmen? Welche Werte sind den Konsumenten wichtig, und wie können Unternehmen sie nutzen? Karma-Kapitalismus setzt auf Werte statt Preise. Wirtschaftliche, soziale und moralische Werte werden gleichbedeutend– Karma-Kapitalismus begnügt sich nicht mit Almosen und Alibi-Aktionen. Es geht um „Change, not charity!“ Karma-Kapitalismus bezeichnet eine Spiritualisierung der Wirtschaft. Idealismus verkauft sich gut.

– Karma-Kapitalismus setzt auf Werte statt Preise. Wirtschaftliche, soziale und moralische Werte werden gleichbedeutend

– Karma-Kapitalismus begnügt sich nicht mit Almosen und Alibi-Aktionen. Es geht um „Change, not charity!“

– Karma-Kapitalismus bezeichnet eine Spiritualisierung der Wirtschaft. Idealismus verkauft sich gut

 

Zusammenfassung der Redebeiträge

Prof. Norbert Bolz, Technische Universität Berlin: Der gute Kapitalismus_Der neue Geist der Wirtschaft

Erfolgreiche Produkte sind im 21. Jahrhundert nicht nur in technisch-sachlicher Hinsicht von hervorragender Qualität, sondern sie gewähren dem Kunden auch einen spirituellen Mehrwert. Der Begriff „Karma-Kapitalismus“ bestimmt die tief greifende Spiritualisierung der Wirtschaft, von der Produkte, Kunden und Unternehmen gleichermaßen erfasst sind.

Prof. Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger 2006, Gründer der Grameen Bank Chittagong: Grameen Bank_Weniger Armut durch Mikro-Kredite

Konventionelle Banken konzentrieren sich auf das klassische Kredit-Scoring: „Je größer die Bonität eines Kunden, je größer die gestattete Kreditsumme, je besser die Konditionen.“ Die Schuldensicherheit hat Priorität und folgt der Unternehmensvorgabe uneingeschränkter Profit-Maximierung. Muhammad Yunus hat als Gründer der seit 1984 bestehenden Grameen Bank ein erfolgreiches Gegenkonzept vorgelegt und unter Beweis gestellt, es geht auch anders: sozialer und profitabler.

Dr. David Bosshart, CEO Gottlieb Duttweiler Institut, Zürich: Das Davos Dilemma_Welche Chancen eröffnet der Kampf um neue Werte?

Die Wirtschaft ist der Raum des Möglichen und Imaginären: immer mehr Vernetzung, Verschiedenheit und gegenseitige Abhängigkeit bringen Wohlstand, Innovation und Kreativität. Mit den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) und in ihrem Sog werden in kurzer Zeit zusätzlich rund 3 Mrd. Menschen in ein westlich orientiertes marktwirtschaftliches System integriert. Das bedeutet den Übergang von einer Welt der alltäglichen Bedürfnisse zu einer Welt der Wünsche, Sehnsüchte und Träume. Solange Menschen sich als Gewinner sehen und gute Wachstumsraten nachweisbar sind, funktioniert eine wirtschaftsgetriebene Welt.

Prof. Peter Wippermann, Trendbüro, Universität Duisburg/Essen: Karma-Kapitalismus_Werte statt Preise

Konsumenten suchen Werte statt Preise. Die Auswirkungen ethisch indifferenten Wirtschaftens dringen heute als konkrete Alltagsproblematik in die Lebenswelt von Konsumenten ein. Werte werden darüber zum kaufentscheidenden Feature von Produkten aller Art. Sie sind ein zunehmend selbstverständliches und nachprüfbares Leistungsattribut. Im „Karma-Kapitalismus“ wird verfügbar gemacht, was lieb und teuer ist: der ersehnte Genuss ohne Reue.

Prof. Björn Bloching
Partner Roland Berger Strategy Consultants, Hamburg: Responsible Entrepreneurhip_Wie wird Corporate Responsibility profitabel?

Unternehmen sind dem unnachgiebigen Druck ausgesetzt, wettbewerbsfähig zu bleiben und stetig neue Marktanteile zu erschließen. Gleichzeitig werden sie wie nie zuvor von einer wachsenden Gemeinschaft aufmerksamer Stakeholder auf die Konsequenzen ihres Handelns hin überprüft.

Josephine Green, Senior Director Trend & Strategy, Philips Design, Eindhoven: Demokratisierung der Zukunft_Wechsel zu einem sozial-orientierten Marktansatz

Ob Entwicklungen im Hochtechnologie-Bereich oder die erfolgreiche Vermarktung neuartiger Geschäftsmodelle – in der Vergangenheit war ein Großteil der Menschheit vom Weltmarktgeschehen durch restriktive und exklusive Eintrittshürden schlichtweg abgekoppelt. Ein kostspieliger und innovationsfeindlicher Wirtschaftsmodus, der mehr auf Massenkonsum denn auf Massenkreativität setzte.

Peter Head, Project Director of Dongtan, ARUP, London: Dongtan Eco-City_Ein neues urbanes Entwicklungs-Paradigma zur CO2-Reduktion

Im Wettbewerb um die größtmöglichen CO2-Reduktionsquoten stehen die Großstädte im Fokus der Aufmerksamkeit. Rund um den Globus tragen Metropolen als gigantische CO2-Verursacher massiv zum Klimawandel bei. New York, L.A., Melbourne, London, Berlin und andere Städte haben Klima-Initiativen gestartet. Aktionspläne sollen die Energiewerte von Privat- und Geschäftsimmobilien verbessern. Regionale Pilotprojekte erproben neue Ansätze in der Bauwirtschaft.

 

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Fotos vom 12. Deutschen Trendtag auf Flickr

Blog Beiträge zum Trendtag: PSFK, Treehugger und TheEightFold berichten

OTTO-Trendstudie Konsum-Ethik 2007

Die OTTO-Trendstudie Konsum-Ethik 2007, die der Hamburger OTTO Anfang Dezember 2006 beim Hamburger Trendbüro in Auftrag gegeben hat, identifiziert Ethik aus der Perspektive der Konsumenten als „Wohlfühlfaktor“, der an Bedeutung gewinnt.