Ist das Altersbeben sexy? Ein neues Buch von Peter Wippermann und Corinna Langwieser geht dem Lebensgefühl "Silver Sex" nach

Je älter ein Land, desto jünger fühlen sich seine Bewohner. Mit diesem einfachen Satz lässt sich auf den Punkt bringen, was das eigentlich Revolutionäre am bevorstehenden demographischen Wandel ist: Verschiebungen in der Altersstruktur eines Landes gehen immer mit einem Wandel des Lebensgefühls einher.
Zumal diejenigen, die jetzt langsam in die Jahre kommen, ihre persönliche Freiheit und Jugendlichkeit zu ihren Grundwerten auserkoren hatten. Die Rede ist von den heute 40- bis 60-Jährigen, den Angehörigen der sogenannten Baby Boomer-Generation, die vor Einführung der Antibabypille das Licht der Welt erblickten, und die damit die letzte Generation stellen, die schon alleine durch ihre numerische Stärke in der Lage ist, Meinungen und Märkte nachhaltig zu verändern.

Vor diesem Hintergrund stehen wir in Deutschland tatsächlich vor dem Beginn eines neuen Zeitalters: Die subjektive Verjüngung einer objektiv alternden Gesellschaft wird in den kommenden Jahren das Lebensgefühl des Einzelnen beherrschen und damit auch zu einem bestimmenden Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung werden. Gemäß der Theorie der langen Wellen nach Nikolai Kondratieff sind es grundsätzlich Basisinnovationen, die für wirtschaftlichen Aufschwung und neue Nachfrage sorgen. Und während das letzte Jahrhundert von der Entwicklung der Dampfmaschine, der Elektrotechnik und Petrochemie sowie der Informationstechnologie geprägt waren, werden es in diesem Jahrhundert die Biotechnologie und die Life Sciences sein, die die nächste lange Konjunkturwelle anstoßen werden. Doch was steckt genau dahinter? Nicht die technischen Weiterentwicklungen an sich sind es, die aus den Innovationen den Motor für die Konjunktur formen sondern vielmehr die Bedürfnisse, die sich daraus ableiten lassen. Nicht die Erfindung des Autos hat die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verändert sondern das wachsende Bedürfnis des Einzelnen nach individueller Mobilität. Nicht das Vorhandensein von Telefon und Computer waren bahnbrechend sondern das daraus resultierende Bedürfnis des Menschen nach Kommunikation und Anschlussfähigkeit.

Äquivalent dazu sind die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit und die Aussichten für die nächste Zukunft zu bewerten: Wenn wir immer mehr Möglichkeiten haben unser Aussehen zu verändern, unseren körperlichen Zerfall zu stoppen, unser Leben zu verlängern, entstehen auch immer neue Bedürfnisse nach Gesundheit und Wohlbefinden, nach Selbstverbesserung und Multioptionalität, nach Körperlichkeit und Sex. Kurzum: Das Altersbeben ist Ursache für einen Trend mit dem Namen Silver Sex. Für das wachsende Interesse am eigenen Aussehen. Für eine neue Körperlichkeit in der Gesellschaft. Für eine Erotisierung der Märkte. Und genau um diese Themen soll es in unserem Weblog Silver Sex gehen.