Deutscher Trendtag in Hamburg zum Thema:
"Flow Control – Selbstbestimmung statt Systemkontrolle"
"Flow Control“ aus unterschiedlicher Perspektive
In den kommenden Monaten laden wir an dieser Stelle renommierte Autoren und weniger bekannte Personen aus Gesellschaft und Wirtschaft ein, sich mit dem Thema „Flow Control“ auseinanderzusetzen.
Unter der Annahme, dass vor allem Selbstbestimmung glücklich macht, gehen die Autoren der Frage nach, ob und vor allem wie man in der heutigen Netzwerkgesellschaft Entscheidungshoheit erlangt und welche Algorithmen einem dabei helfen können. Oder ob nicht auch analoge Denkgewohnheiten einen hindern, dass der Kopf nicht mehr mitkommt.
Die oft gestellte Frage nach „Mensch ODER Maschine“ werden und wollen wir dabei nicht beantwortet wissen; zu eindeutig wäre in der heutigen Zeit die Realität vom „Mensch OHNE Maschine“. Denn der Mensch lebt in Symbiose MIT seinen Werkzeugen, wie Tim Cole in einem der ersten Beiträge zu Flow Control richtig bemerkt.
Diese Aussage greifen wir auf und fragen gezielt nach, wer welche Werkzeuge und Strategien selbstbestimmt einsetzt und damit ganz glücklich ist. Und ob Abschalten und Teetrinken nicht auch dazugehören.
Andreas Schelske:
Flow als unternehmerischer Weg der leeren Hand
Menschen als auch Unternehmen können sich in dem Zustand des Flows befinden. So erfährt jeder Mensch einen Flow, wenn er in seiner Tätigkeit des Musizierens, des Tanzens, des Schachspielens, des Motorradfahrens oder der Kampfkunst wie z.B. Karate quasi aufgeht. Im Flow begeben sich Menschen in einen optimalen Tätigkeitszustand, der sie weder über- noch unterfordert. Im Handwerk hätte man gesagt, die Arbeit ginge einem wie von selbst von der Hand. Im Sinne der Psychologie von Mihaly Csikszentmihalyi meint Flow einen Tätigkeitsrausch. Dieser Rausch des Flows entzieht sich aller Planbarkeit. Wer in ihm ist, merkt erst später, dass er im Flow war. Im Rausch des Flow spüren wir keinen Widerstand. Die Wirklichkeit im Tätigkeitsrausch ist eine, auf der wir quasi surfen, ohne konkret fassen zu können, warum alles auf der jeweiligen Welle so gut läuft.
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Tim Cole: Plädoyer für ein digitales Wa
„Mein Kopf kommt nicht mehr mit“, klagt Deutschlands bekanntester Kulturpessimist, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in seinem populistischen Bestseller „Payback“, wo er das Gespenst der endgültigen Fremdbestimmung des Menschen durch das beschwört, was er unter dem Begriff „Algorithmus“ versteht: Computercode, Handlungsvorschrift, Turingmaschine, Determinismus . So mischt er sich munter ein mechanistisches Weltbild zusammen aus Versatzstücken der Psychologie, der Frankfurter Schule und des Science Fiction, Und er macht vor allem eines: Angst! Hat sich Google schon meiner Gedanken bemächtigt? Ist Microsoft dabei, meine neuronalen Kanäle umzuprogrammieren? Bin ich überhaupt noch ich, oder bin ich das, was die Digitaltechnik aus mir macht? „Produziert digitales Lesen digitale Gehirne?“, fragt mein Freund Norbert Bolz in seinem Einleitungsbeitrag zu dieser Diskussion – bleibt die eindeutige Antwort aber seltsamerweise schuldig, was sonst so gar nicht seine Art ist.
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Norbert Bolz: Flow Control
I. Space of Flows – Space of Places
Eine stabile wissenschaftliche Grundlage für das Konzept Flow-Control findet man in Ludwig von Bertalanffys Theorie des „Fließgleichgewichts“. Die immer noch erstaunliche Einsicht, um die es hier geht, lautet: Ein offenes System kann als ganzes konstant bleiben, obwohl seine Bestandteile sich in permanentem Flow befinden. Alles fließt und ist doch stabil. Es gibt Kohärenz im Wandel, und zwar ohne zentrale Lenkung. Der Begriff des Fließgleichgewichts denkt also Wartung und Wandel, Bewahrung und Konflikt zusammen. Wir sind hier in der Welt des dynamischen Gleichgewichts und der Selbstorganisation – also in unserer globalisierten Welt!
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